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TonArts-Keramik | Martina Fass

Hallo, mein Name ist Martina Fass und ich lebe in Dreieich bei Frankfurt am Main.

Zur Keramik bin ich vor 22 Jahren durch eine Freundin gekommen, die mir begeistert von ihrem Töpferkurs bei der VHS erzählt hat. Seitdem hat mich der Ton nicht mehr losgelassen. Übrigens arbeite ich mit dieser Freundin und der damaligen Kursleiterin heute immer noch in einer gemeinsamen Werkstatt.

Wie bist du auf den Namen deines Shops gekommen?

Das ist ganz unspektakulär. Als ich vor ca. 15 Jahren meine Webseite erstellt habe, fiel mir spontan der Name TonArts ein. Der Zusatz Keramik diente später schlicht der Suchmaschinen-Optimierung ;-).

Welche Produkte verkaufst du in dem Shop auf kasuwa?

Auf kasuwa verkaufe ich frostfest gebrannte Gartenkeramik – also Gartenfiguren, Vogeltränken, Pflanzköpfe und Blumenstecker.  Auch mein Keramikschmuck ist in den Shop eingezogen.

Worin unterscheiden sich deine Produkte von denen anderer Hersteller? Was macht dein Produkt so einzigartig?

Alle meine Keramikfiguren sind von mir erdacht und von Hand frei modelliert. Manche haben sogar eine eigene Geschichte.

Wie sieht deine Werkstatt aus, in der du die Produkte herstellst?

Wir arbeiten in einer kleinen Halle, in der es meistens ziemlich chaotisch aussieht. Wir haben zwei Brennöfen (60 und 200 Liter) und arbeiten an sehr stabilen Edelstahl-Stehtischen.  Die haben wohl irgendwann bei der Bundeswehr ihren Dienst verrichtet. Sie nehmen bei der Arbeit nichts übel und wir lagern auch die schweren Tonhubel darin.

Hinter der Werkstatt ist der wunderschöne Garten unserer Vermieterin. Im Sommer genießen wir dort zwischendurch die Sonne und wir durften auch schon mehrere Gartenausstellungen darin ausrichten.

Welche Materialien verwendest du für deine Produkte?

Ich verwende überwiegend Tonmassen aus dem Westerwald und Glasuren verschiedener Hersteller. Ich achte beim Einkauf darauf, dass die Glasuren komplett kennzeichnungsfrei sind.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei Auswahl deiner Materialien?

Bei Brenntemperaturen von über 1000 Grad ist das mit der Nachhaltigkeit so eine Sache. Ich versuche aber, den Ofenraum gut zu nutzen. Außerdem können Keramiken bei guter Behandlung ja durchaus ein paar tausend Jahre alt werden 🙂

Woher beziehst du diese Materialien?

Ich kaufe oder bestelle sie bei verschiedenen Händlern für Keramik- bzw. Künstlerbedarf.

Kannst du uns die Arbeitsschritte möglichst detailliert beschreiben, die für die Herstellung deiner Produkte notwendig sind?

Das hängt natürlich ganz vom Projekt ab:

Für die Schalen meiner Vogeltränken werden Tonplatten in Gipsschalen gedrückt. Der Gips entzieht dem Ton die Feuchtigkeit, sodass man die Schale nach einer gewissen Zeit aus der Form stürzen und weiterbearbeiten kann.

Auch die Scheiben für die Beetstecker werden aus Tonplatten ausgestochen und dann noch mit Mustern versehen.

Kleine Figuren modelliere ich aus vollem Ton. Arme und Beine sind Tonwürste, die an den Körper anmodelliert werden. Wo immer Tonteile angesetzt werden, ist es wichtig darauf zu achten, dass man keine Luftkammern einbaut. Diese könnten die Keramik im Ofen zum Platzen bringen, wenn sich die eingeschlossene Luft beim Aufheizen nicht ausdehnen kann.

Für größere Figuren und Büsten arbeite ich mit der Würstchen-Technik. Auf die Grundplatte werden Tonwürste als Wand aufgebaut und innen und außen miteinander verstrichen. So arbeitet man sich bis zu der gedachten Höhe nach oben. Auf den geschlossenen Körper wird dann der Hals und der Kopf aufgebaut. Dabei muss man aufpassen, dass man nicht zu schnell arbeitet, da dann der weiche Ton durch das Gewicht in sich zusammensinken könnte. Geknülltes Zeitungspapier im Innern von Hohlräumen hilft etwas.

Die Details beim Modellieren von Gesichtern würden hier den Rahmen sprengen. Da ich Autodidaktin bin, greife ich dabei immer wieder auf Bücher oder das Internet zurück.

Schmuck-Elemente werden einfach ausgestochen und manchmal mit Mustern oder Motiven versehen.

Alle Keramiken müssen langsam getrocknet werden. Dann werden sie bei 950 °C das erste Mal gebrannt. Das ist der sogenannte Schrühbrand. Nach dem Glasieren vollendet der abschließende Glatt- oder auch Glasurbrand die Keramik.

Steingut brenne ich bei 1040 °C, Steinzeug bei 1240 – 1260 °C. Bei Steinzeug kann kein Wasser mehr in den Tonscherben eindringen, was diese Arbeiten dann frostfest macht.

Welche Arbeitsschritte sind besonders schwierig, welche besonders aufwendig?

Glasuren müssen teilweise in 3 Schichten übereinander aufgetragen werden. Bei sehr kleinen Arbeiten ist der exakte Farbauftrag dann schon eine Herausforderung. Trotzdem modelliere ich am liebsten Kleinplastiken. Bei größeren Figuren besteht bei mir immer die Gefahr, dass sie beim Modellieren aus der gedachten Form geraten.

Sehr aufwendig ist auch der Einbau von kleinen glasierten Schmuck-Elementen in den Ofen. Die Keramikelemente müssen auf winzige Auflagen gelegt werden. Dabei dürfen weder die Auflagen, noch die Ofenplatte Kontakt mit der Glasur haben. Sie würden sonst beim Brand untrennbar miteinander verschmelzen.

Welche Werkzeuge sind für die Herstellung Deiner Produkte notwendig?

Ganz wichtig beim Aufbau ist die Ränderscheibe. Sie ist auch bei den meisten anderen Arbeitsschritten hilfreich, da man die Figur schnell von allen Seiten bearbeiten kann.

Ansonsten braucht man

  • verschiedene Modellierhölzer,
  • Schlingen, um überschüssigen Ton abzuziehen oder auch zum Aushöhlen,
  • Gummi- oder Metallnieren zum Glätten,
  • Nadeln zum Stechen in eventuelle Lufteinschlüsse,
  • Werkzeuge zum Aufrauhen von Ansatzstellen und Gestalten von Oberflächen,
  • ein Gerät zum gleichmäßigen Schneiden von Platten,
  • ein Nudelholz zum Ausrollen,
  • Messer,
  • natürlich verschiedene Pinsel,
  • Tücher zum Feuchthalten zwischendurch oder auch Plastiktüten zum Abdecken,
  • Sprühflaschen,
  • Holzbretter, auf denen die fertigen Arbeiten trocknen können,
  • und, und, und…

Was macht Dir an Deinem Handwerk besonders Spaß?

Ton ist so unglaublich vielseitig, dass das Arbeiten damit nie langweilig wird. Außerdem lässt sich beim Modellieren alles korrigieren. Nase zu groß, Lippen zu schmal – alles kein Problem.

Und dann gibt es manchmal diese Momente, wo ich beim Modellieren lauthals loslachen muss über die Figur auf meiner Ränderscheibe. Die sind unbezahlbar.

Wie lange verkaufst Du Deine Produkte schon?

In den ersten Jahren habe ich meine Arbeiten nur auf unseren Gruppen-Ausstellungen gezeigt oder auch mal Schaufenster am Ort bestückt. Seit 2011 biete ich sie auch online an. Da ist dann auch der Schmuck dazu gekommen.

Wie bist Du auf kasuwa aufmerksam geworden und wie lange verkaufst Du schon auf kasuwa?

Meinen Shop habe ich im Oktober 2021 eröffnet und bestücke ihn nach und nach immer mehr. Auf kasuwa aufmerksam geworden bin ich durch meine Freundin Eileen Gründer, die ich aus Dawanda-Zeiten kenne. Sie betreibt schon länger einen kasuwa-Shop.
Schon damals hatten wir gemeinsame Arbeiten ausgetüftelt. Diese Kooperation lassen wir gerade wieder aufleben. Eileen ist Buchbinderin und sie integriert die handgefertigte Keramikelemente von mir z.B. im Buchdeckel ihrer Notizbücher.

Welches Produkt aus Deinem Shop gefällt Dir ganz besonders?

Mein aktueller Liebling ist die Dame mit dem Handy in der Vogeltränke, bei der ich einen Riesenspaß beim Modellieren hatte.

Und Schneewittchen natürlich. Das zarte Geschöpf ist eine etwas ältere Arbeit, für die  ich damals per Selfie selbst Modell gestanden habe.

Auf welchen Kreativmärkten verkaufst du deine Produkte?

In den letzten Jahren habe ich an verschiedenen Ausstellungen teilgenommen (z. B. KiR – Kunst in Rödermark, RodgauArts, Kunst im Park in den Weyberhöfen im Spessart). Auf Kreativmärkten bin ich nicht ganz so oft vertreten. Der erste nach der Corona-Pause war der Egelsbacher Nachtmarkt.

Hast du ein Ladengeschäft?

Ein Ladengeschäft habe ich nicht. Interessenten können mich aber in der Werkstatt besuchen.

Wie bewirbst du deine Produkte?

Ich habe eine eigene Webseite und bewerbe meine Produkte auf Facebook und Pinterest.

Was hast du für Pläne für deinen Shop auf kasuwa und für deine Produkte?

Da ich mir im letzten Jahr ein Herz gefasst und zum Jahreswechsel mein langjähriges Angestelltenverhältnis beendete, habe ich jetzt viel mehr Zeit für die Keramik. Neben dem Ausbau des Kasuwa-Shops möchte ich auch hier vor Ort präsenter sein. Ich versuche z. B. gerade den Eingangsbereich unseres Gartens etwas umzugestalten, damit ich auch dort meine Keramiken noch besser präsentieren kann.

Vielen Dank für deine Unterstützung!

Ton ist ein fantastischer Werkstoff. Bei Martina ist er in besten Händen! Wenn du noch mehr ihrer Kunstwerke bewundern möchtest, schau in ihrem Shop TonArts-Keramik vorbei. Sie freut sich über deinen Besuch.

Eileen Gründer, mit der sie gemeinsam die wunderschönen Notizbücher gestaltet, ist eine kasuwa-Verkäuferin der ersten Stunden. In ihrem Shop Buchbinderei Gründer hat sie ein riesiges Angebot kreativer und traditionell hergestellter Artikel: handgefertigte Notizbücher, Tagebücher, Gästebücher, Skizzenbücher, Mappen, Fotoalben, Speisekarten, Trauredenmappen, Notizhefte, Notizblöcke – klassisches Buchbinderhandwerk!